Achterbahn der Gefühle in Buckow

MOZ: 03.07.2011 Chupke

Buckow (moz) Der Neustart nach sechs Monaten Pause am Buckower Theater „untendrunter“ ist geglückt. Nicht nur, dass zur Premiere der Komödie „Offene Zweierbeziehung“ die Plätze nicht reichten, das Publikum amüsierte sich von Beginn an köstlich und dankte schon zur Pause mit viel Applaus. Es honorierte damit die Handschrift der Theaterchefin Ila Schöppe, die bei dem Stück von Franca Rame und Dario Fo auch Regie führt. So hat sie nicht nur manchen Dialog aktualisiert, sondern einen dritten Schauspieler als Conférencier eingesetzt. Charmant und mit herrlich französischem Akzent gespielt von Till Petri, der die Szenerie teils auch sanft am Klavier begleitet.

Auch Nicole Janze als Antonia und Andreas Schirra als Mann ohne Namen stehen erstmals auf der Kellerbühne in Buckow, die wie die Kostüme von Arlette Linke gestaltet wurde. Schlicht und funktionell, aber auch die eine oder andere Überraschung bietend, etwa wenn Sohn Robert (Petri) mit BMX-Rad auftaucht.

Temporeich und in witzigen Dialogen geht es durch eine Ehe, in der sie lieber eine seiner Zufallsgeliebten sein möchte als seine zweite Mutter. Ihr Frust entlädt sich in Selbstmordversuchen, von denen sie nur am Wochenende Pause macht, wenn sie bei ihrer Freundin ist. Aber dann schafft sie es doch, sich von ihm loszusagen, ja sogar einen Verehrer zu finden. Da kann der Ehemann und Buchhalter nur rotsehen und greift zur Pistole. Das Ende soll freilich nicht verraten werden. Das launige Stück bietet die richtige Unterhaltung für entspannte Sommerabende.

Mobbing Thema beim Projekttag im untendrunter

MOZ: 10.06.2011 - Gabriele Rataj

Buckow (moz) 50 Kinder zwischen neun und 13 Jahren vom Fürstenwalder Bernhardinum haben sich am Donnerstag im Bu­ckower Theater untendrunter fast als kleine Profis erwiesen. Womit sie sich zu ihrem Theaterprojekttag unter fachlicher Leitung von Theaterchefin Ila Schöppe und ihren Helfern beschäftigten, das wurde am Abend vor Eltern und Gästen auf die Bühne gebracht.

Die jüngeren Grundschüler erwarteten außerdem Märchen aus der Kiste und Rätsel, Baden für alle und mehr. Mittags schmeckten die von der Lehrerin vorbereitete Kartoffelsuppe und nach der großen Premiere am Abend die leckeren Salate von den Eltern.

Drei gegenwärtig aktuelle, teils brisante Themen hatte man sich vorgenommen: Mobbing, das Verschwinden von Menschen und das ewige Thema Liebe. Was an der Schule schon vorbereitet und zunächst von der Theater-Nachwuchsgruppe „Lampenfieber“ in kleinen Spielszenen angeregt worden war, mit diesem Stoff wurde am Nachmittag gearbeitet. Und das Publikum staunte, was theaterpädagogische Arbeit aus den Sprösslingen herauskitzeln kann.

Eine ganz besondere Weihnachtsfeier

MOZ: 15.12.2010 - Anett Zimmermann

Buckow (moz): Eine besondere Weihnachtsfeier erlebten am Dienstagnachmittag 35 Mädchen und Jungen im Alter von zwei bis 17 Jahren aus dem Altkreis Strausberg im Buckower Theater „untendrunter“. Dazu hatten die vier Mitarbeiterinnen des Bereichs Vormundschaft/Pflegschaften des Jugendamtes MOL eingeladen. Sie betreuen insgesamt etwa 225 Kinder, erklärte Konstanze Hesselbarth, die mit Manuela Scheffel für den Strausberger Bereich verantwortlich ist. Anita Röder kümmert sich um den Bad Freienwalder Raum und Petra Kruse um Seelow und Umgebung.

Eine Affäre mit Hindernissen

MOZ: 17.05.2010 - Thomas Berger

Buckow (moz): Volles Haus zur Premiere – wie gut, dass im Theater untendrunter ein paar Reserven an Klappstühlen bestehen, denn die wurden am Sonnabend auch gebraucht. Riesengroß war das Interesse an der neuesten Inszenierung, und die teils von weither angereisten Zuschauer wurden in ihren Erwartungen nicht enttäuscht. Günter Will und seine Frau beispielsweise kommen aus der Grafschaft Schaumburg, 40 Kilometer hinter Hannover. Zum zweiten Mal in Buckow, wollten sie sich die Komödie „Der Letzte der feurigen Liebhaber“ nicht entgehen lassen. Sehr gut hat es dem Paar gefallen: „Es ist erstaunlich, was auf so einer kleinen Bühne geboten wird“, so der begeisterte Pensionär.

Intendantin Ila Schöppe, die diesmal Regie führte, hat ihre beiden Darsteller zu schauspielerischen Höchstleistungen animiniert. Was in dreieinhalb intensiven Probenwochen ausgearbeitet wurde, ist ein Bühnenspaß mit viel Wortwitz, Situationskomik, aber auch hintersinnigen Nebensätzen und Botschaften zwischen den Zeilen. Bei manchen Szenen biegt sich das Publikum vor Lachen, doch eine olle Klamotte ist das Stück von Neil Simon, ganz ins Hier und Heute geholt, keineswegs.

André Kudella gibt überzeugend den seit 23 Jahren verheirateten Fischrestaurantbesitzer Barney Silbermann, der sich erstmalig in eine Affäre stürzen will – und ausgerechnet die Wohnung seiner abwesenden Mutter dazu erkoren hat. Damit nicht genug, sind die drei Damen, die er nacheinander dorthin bestellt, im Grunde eine seltsamer als die andere. Bühnenpartnerin Annett Sawallisch stellt enorme Wandlungsfähigkeit unter Beweis: Elaine will am liebsten gleich zur Sache kommen, derweil Barney redet, ist genervt von seiner „Fischpoesie“ als ambitionierter Hobbydichter. Bobby-Michelle wiederum ist eine paranoide, kiffende Plappertasche, die im Gegenzug ihn mit unglaublichen Geschichten zuquatscht, in denen die Entführung ihres Hundes noch eins der harmloseren Details ist. Und Jeanette schließlich entpuppt sich als absolute Melancholikerin, die sich an ihrer Handtasche festklammert, Barney mit ihren düsteren Selbstbetrachtungen aber auch zum Nachdenken anregt.

Vergnügliche Broadway-Komödie

MOZ: 13.05.2010 - Anett Zimmermann

Buckow (moz): Annett Sawallisch heißt die Neue am Buckower Theater „untendrunter“. Mit André Kudella steht sie dort am Sonnabend erstmals in der Komödie „Der letzte feurige Liebhaber“ des amerikanischen Broadway-Autors Neil Simon auf der Bühne.

Kudella, im Sommer 2009 bereits in Dario Fos „Evas Tagebuch“ in Buckow zu sehen, hatte seine ebenfalls in Berlin lebende Kollegin empfohlen. Vor Kurzem hatten beide in „Eislaufen“, einer Collage aus Texten von Inge Müller, im „Theater unterm Dach“ in Prenzlauer Berg gespielt. So nah wie jetzt seien sie sich dabei allerdings nicht gekommen, meinten sie jetzt am Rande einer der letzten Proben in Buckow lachend.

„Es ist gar nicht so einfach, komische Frauen zu finden“, sagte eine ebenfalls heitere Theaterchefin Ila Schöppe, diesmal nicht auf der Bühne, sondern als Regisseurin aktiv. Annett Sawallisch würde für das Boulevardstück gut passen. „Tempo und der viele Text bereiten ihr keine Schwierigkeiten“, so Schöppes Fazit. Gefeilt wurde da lediglich noch an den Gags des Dreiakters.

Annett Sawallisch gibt darin Elaine, Bobby und Jeanette und somit drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können. Diese werden von Barney Silbermann, Besitzer eines Fisch-Restaurants und seit 28 Jahren verheiratet, in die Wohnung seiner Mutter zu einem Stelldichein eingeladen. Doch die Seitensprünge gehen gründlich schief – sehr zum Spaß des Publikums, das bei all dem Vergnügen aber immer wieder auch zum Nachdenken gezwungen wird.

Intendantin auf Solopfaden

MOZ: 11.07.2010 Anett Zimmermann

Buckow (moz): Ila Schöppe spielt. Diesmal ganz allein auf ihrer Bühne im Buckower Theater „untendrunter“ – und noch dazu eine Männerrolle. Davon geht der Zuschauer aus, der die 1992 erstmals aufgeführte Revue „Die Sternstunde des Josef Bieder“ von Eberhard Streul und Otto Schenk kennt. Aber in Buckow (Märkisch-Oderland) ist knapp zwei Jahrzehnte später alles etwas anders. Hier will Bieders Tochter Josefine einen sogenannten Schließtag nutzen, um das nächste Stück einzurichten. Wie ihr Vater ist sie Requisiteur, besser Requisiteurin, geworden. Doch die kleine Endung „in“ ist ihr nur zu Beginn wichtig.

Bevor sie anfängt, aus ihrem Leben zu erzählen und aus dem Nähkästchen über das Theater im Allgemeinen und im Speziellen zu plaudern, wird hinter dem roten Vorhang erst einmal kräftig geräumt, nach Werner und Karl gerufen, die aber den ganzen Abend nicht auftauchen werden. Und dann steht Josefine Bieder unvermittelt vor dem Publikum. Mit zwei Revolvern in den Händen fuchtelt sie herum, setzt sie bei der Premiere am Freitagabend per Zufall sogar dem Buckower Bürgermeister Peter Alexander Block auf die Brust.

In den Reihen verstummt das Lachen. Doch nur kurz. Zu komisch ist, wie sich die Schöppe, wie sie von Josefine Bieder nur genannt wird, selbst auf die Schippe nimmt.

Viel Tempo und Schwung hat dieser Abend. Nicht zuletzt, weil Ila Schöppe in dem Stück singen muss und es auch kann. So zieht sie mit ihrem Mezzo- bis hohen Sopran das Publikum in ihren Bann. Kurz vor Schluss erklärt sie als Josefine: „Ohne Gefühl gebe es kein Theater, keine Musik und keine Lieder.“ Für Ila Schöppe, die immer voller Ideen für neue Projekte steckt, hat sich da wohl ein Kreis geschlossen.