Poesie, Lachen und Leiden einer großen Liebe

www.strausberg-live.de  vom  23.10.2006

Von O.K. Gerbig

Zur Premiere von LOVE LETTERS im THEATERuntendrunter

Grosses Theater braucht nicht immer große Ausstattung. Im schlichten Ambiente von zwei Schreibtischen halten Melissa Gardener (ILa Schöppe) und Andy Makepeace Ladd III (Hans-Dieter Heiter) die ergreifende Geschichte ihres Lebens von der Zweiten Klasse bis ins gesetzte Alter fest.

Wir lernen Andy, aus einfachen Verhältnissen kommend, zielstrebig an seiner Karriere arbeitend: Yale, Harvard, Marine, Jura-Studium, Anwalt und zuletzt Senator und Melissa, Tochter aus reichem Bostoner Hause, labil, ein unstetes Leben führend, das in der Katastrophe endet, kennen.

Da entfalten sich die Leben zweier Menschen vom ersten Zettel, der verstohlen unter der Schulbank zugereicht wurde über Weihnachtskarten, Erlebnisberichte, Fotos, Papierschnipsel und Zeichnungen bis hin zum letzten Abschiedsbrief in Höhen und Tiefen. ILa Schöppe und Hans-Dieter Heiter überzeugen in dieser szenischen Lesung durch großes schauspielerisches Talent und dezentes Einfühlungsvermögen. Der Zuschauer kann herzhaft lachen und hemmungslos weinen, wenn sich beide Darsteller vom Kind in reife Erwachsene verwandeln. Beide Figuren gewinnen mit jedem Brief mehr an Profil und bringen sowohl komische als auch tragische Momente der Geschichte mitreißend zum Ausdruck. Das Publikum dankt mit langem Applaus.

Mit LOVE LETTERS hat der Autor A.R. Gurney eine Lebens- und Liebesgeschichte in Briefen geschrieben: Lebenslinien, die sich von früher Kindheit immer wieder kurz und leidenschaftlich kreuzen. Es ist Liebe, die die beiden verbindet, es ist das Leben, das sie trennt.

Gretchen folgt dem kleinen Prinzen

MOZ 15. August 2006


Buckow (MOZ) Nach dem erfolgreichen Sommertheater im Bu­ckower Schlosspark vor einigen Jahren hatte sich die Regisseurin und Schauspielerin Ila Schöppe im Kneipp-Kurort ein festes Domizil gesucht. Jetzt ist es soweit: Ihr Theater "untendrunter" wird am Freitag um 19 Uhr mit einer Lesung von Käthe Reichel eröffnet. Die zeitweise in Buckow lebende Schauspielerin will wenige Tage nach Bertolt Brechts 50. Todestag ihr Buch "Windbriefe an den Herrn b.b." mitbringen.

Der Name "untendrunter" beschreibt unterdessen treffend, wohin Zuschauer sich in diesem Theater begeben müssen: in den Keller. Dorthin sind es allerdings nur fünf bequeme Treppenstufen. Besucher werden zudem von dem gar nicht so kleinen Raum mit seinen Rundbögen und bis zu 60 Plätzen überrascht sein. "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry jedoch - Premiere am 19. August um 20 Uhr - landet bei schönem Wetter bis zum 9. September jeden Freitag und Sonnabend im Garten direkt am Buckowsee. Der Wüstensand ist dort bereits aufgeschüttet.

Wichtig sind Ila Schöppe, selbst Mutter zweier Kinder, aber auch Angebote für die Jüngsten. So lädt sie in ihr nur wenige Schritte von der Mutter-Kind-Klinik "Waldfrieden" entferntes Haus am 26. August um 13 Uhr erstmals zum Kultursommer für Kinder und Jugendliche ein, einem Workshop für Schauspiel und Percussion. Weitere Termine: 27. August, 13 Uhr, sowie 3. und 17. September jeweils um 15 Uhr. Ihr Anliegen sei es, Kinder mit allem, was zu einem Theater gehört, vertraut zu machen und unter anderem auch kleine Szenen zu erarbeiten.

Entstanden sind in dem Haus, das 1739 erstmals in einer Chronik erwähnt und später unter anderem als Internat und Schule genutzt worden war, zudem zwei Künstlerateliers, die noch nicht vergeben seien. Der Umbau wurde mit Hilfe des EU-Gemeinschaftsprogramms "Leader+" unterstützt.

Der erste Spielplan für August und September mit dem von Peter Sottmeier gestalteten Logo des Theaters - es zeigt das bekannte lachende und traurige Gesicht - ist bereits draußen. So wird die Hausherrin nach dem "Kleinen Prinzen" auch in "Gretchen 89 ff" von Lutz Hübner ab 15. September mit auf der Bühne stehen. Beide Stücke sind im Verein "Theaterprojekt Helene" entstanden, der die neue Spielstätte in Buckow künftig mit nutzen wird.

"Nestbau" besonderer Art

MOZ Donnerstag, 13. Juli 2006

Von Anett Zimmermann

Buckow (MOZ) Die Baugerüste in der Wriezener Straße 56 sind bereits gefallen. Demnächst soll dort im Garten der "Kleine Prinz" nach Antoine de Saint-Exupéry landen. Gespielt werden kann aber auch im Keller. Dort richtet Ila Schöppe ihr "THEATERuntendrunter" ein.

Für die Schauspielerin, Sängerin und Regisseurin Ila Schöppe ist Buckow "ein Städtchen am Rande und doch mitten im Zent-rum". Und dort hat sie seit Mitte der 90er Jahre ihren Lebensmittelpunkt. Auch wenn sie sich nach mehreren erfolgreichen Sommertheaterprojekten im Bu­ckower Schloss­park in der Stadt künstlerisch etwas rar gemacht hatte. Einer der Hauptgründe war die zunehmend schwierige Finanzierung dieser Vorhaben, zumal die öffentliche Hand bei der Kulturförderung kräftig gestrichen hat.

Doch Ila Schöppe blieb in der Region präsent, spielte mit Kollegen fünf Sommer lang im nahe gelegenen Amphitheater des Strausberger Hotels "Lakeside", darunter auch den "Kleinen Prinzen". Und dann war da noch das Haus in der Wriezener Straße von Buckow, in dem sie erst zur Miete wohnte. Um den "Nestbau" der Familie voranzubringen - sie ist Muter zweier Kinder -, habe sie es 1997 dann gekauft.

"Es eignet sich hervorragend für neue Formen des Theaters", sagt Ila Schöppe und verweist darauf, dass es einst eine Stätte der Begegnung gewesen sei: als Schul- und Internatsgebäude. Obwohl es in den vergangenen Jahrzehnten nur noch als Wohnhaus genutzt wurde, habe es bei den Bauarbeiten so manchen interessanten Fund gegeben. "Ein Lineal mit Namen und auch ein verziertes Tintenfass", zählt Ila Schöppe auf.

Dennoch weiß sie über das Haus viel zu wenig und würde sich insbesondere über Fotografien aus alter Zeit freuen. In einer alten Chronik habe sie lediglich eine Jahreszahl gefunden, die nun auch am Giebel zu lesen ist: anno 1737. Doch damals muss es schon gestanden haben, wann es genau gebaut worden ist, habe sie bisher noch nicht herausgefunden.

Im doch sehr vermauerten Keller tatsächlich ein Theater einzurichten, dafür habe ihr anfangs allerdings "die Traute gefehlt", gibt sie offen zu. Mut geholt habe sie sich dann bei Tobias Morgenstern im "Theater am Rand" in Zollbrücke. "Es war damals noch nicht fertig und Putz bröckelte von der Decke", erinnert sich Ila Schöppe.

Als in den vergangenen Monaten im Keller dann die Rundbögen freigelegt wurden, habe sie sofort Bilder im Kopf gehabt für Stücke, die in ihrem "THEATERuntendrunter" gespielt werden könnten. Noch sei es im Bau, aber bereits Licht am Ende des Tunnels zu sehen. "Wir wollten eigentlich schon mit Sommerbeginn im Garten spielen, aber der lange kalte Winter hat uns tüchtig in Verzug gebracht. Auf einer Baustelle wollte ich aber nicht starten."

Deshalb gibt es auch noch keinen genauen Termin für die Aufnahme des Spielbetriebs. Gedacht sei jedoch an Ende August. Mit Hilfe der Fördermittel aus der EU-Gemeinschaftsinitiative "Leader+" entstehe im Haus zudem eine kleine Künstlersta­tion, das heißt zwei Ateliers, für die noch Mieter, ob vorübergehend oder dauerhaft, gesucht seien.

Nutzen will auch der Verein Theaterprojekt Helene, 1996 als SchlossparkSommerTheater gegründet, die neue Spielstätte mit ihren ca. 50 bis 60 Plätzen. Geschäftsführer Ulrich Schröder nennt die Wiederaufnahme vom "Kleinen Prinzen" als Beispiel. Auch andere Stücke aus dem bisherigen Repertoire seien denkbar. Für Neue müsse natürlich erst die Finanzierung geklärt sein. Gedanken für Kooperationen etwa mit Hotels und Gastronomen gebe es ebenfalls, ergänzt Ila Schöppe, will das Haus jetzt aber erst einmal eröffnen. Vereinbart sei allerdings schon die Zusammenarbeit mit dem Umweltbildungszentrum "Drei Eichen": "Wir wollen hier auch mit Kindern und Jugendlichen arbeiten." Kontakte zum Brecht-Weigel-Haus seien natürlich auch ein Muss. Dankbar sei sie zudem der Stadt Buckow, die ihr den Rücken stärke und der Öffnung des Eingangsbereiches zur Straße hin zugestimmt habe. Dort stören jetzt allerdings noch Verteiler- und Kontrollkästen und so hofft sie auf das Entgegenkommen der Versorgungsunternehmen.

Unterdessen findet der Helene-Vorsitzende Dr. Volker Melchert die Theateridee wunderbar: "Ich freue mich unbändig, dass in Buckow weiter Theater gemacht wird. Das ist gut für die Stadt auch als Kurort und die ganze Region." Damit werde das Angebot für Gäste um ein weiteres ergänzt, das unabhängig vom Wetter und von hohem Niveau sei.