Eine Affäre mit Hindernissen

MOZ: 17.05.2010 - Thomas Berger

Buckow (moz): Volles Haus zur Premiere – wie gut, dass im Theater untendrunter ein paar Reserven an Klappstühlen bestehen, denn die wurden am Sonnabend auch gebraucht. Riesengroß war das Interesse an der neuesten Inszenierung, und die teils von weither angereisten Zuschauer wurden in ihren Erwartungen nicht enttäuscht. Günter Will und seine Frau beispielsweise kommen aus der Grafschaft Schaumburg, 40 Kilometer hinter Hannover. Zum zweiten Mal in Buckow, wollten sie sich die Komödie „Der Letzte der feurigen Liebhaber“ nicht entgehen lassen. Sehr gut hat es dem Paar gefallen: „Es ist erstaunlich, was auf so einer kleinen Bühne geboten wird“, so der begeisterte Pensionär.

Intendantin Ila Schöppe, die diesmal Regie führte, hat ihre beiden Darsteller zu schauspielerischen Höchstleistungen animiniert. Was in dreieinhalb intensiven Probenwochen ausgearbeitet wurde, ist ein Bühnenspaß mit viel Wortwitz, Situationskomik, aber auch hintersinnigen Nebensätzen und Botschaften zwischen den Zeilen. Bei manchen Szenen biegt sich das Publikum vor Lachen, doch eine olle Klamotte ist das Stück von Neil Simon, ganz ins Hier und Heute geholt, keineswegs.

André Kudella gibt überzeugend den seit 23 Jahren verheirateten Fischrestaurantbesitzer Barney Silbermann, der sich erstmalig in eine Affäre stürzen will – und ausgerechnet die Wohnung seiner abwesenden Mutter dazu erkoren hat. Damit nicht genug, sind die drei Damen, die er nacheinander dorthin bestellt, im Grunde eine seltsamer als die andere. Bühnenpartnerin Annett Sawallisch stellt enorme Wandlungsfähigkeit unter Beweis: Elaine will am liebsten gleich zur Sache kommen, derweil Barney redet, ist genervt von seiner „Fischpoesie“ als ambitionierter Hobbydichter. Bobby-Michelle wiederum ist eine paranoide, kiffende Plappertasche, die im Gegenzug ihn mit unglaublichen Geschichten zuquatscht, in denen die Entführung ihres Hundes noch eins der harmloseren Details ist. Und Jeanette schließlich entpuppt sich als absolute Melancholikerin, die sich an ihrer Handtasche festklammert, Barney mit ihren düsteren Selbstbetrachtungen aber auch zum Nachdenken anregt.