Intendantin auf Solopfaden

MOZ: 11.07.2010 Anett Zimmermann

Buckow (moz): Ila Schöppe spielt. Diesmal ganz allein auf ihrer Bühne im Buckower Theater „untendrunter“ – und noch dazu eine Männerrolle. Davon geht der Zuschauer aus, der die 1992 erstmals aufgeführte Revue „Die Sternstunde des Josef Bieder“ von Eberhard Streul und Otto Schenk kennt. Aber in Buckow (Märkisch-Oderland) ist knapp zwei Jahrzehnte später alles etwas anders. Hier will Bieders Tochter Josefine einen sogenannten Schließtag nutzen, um das nächste Stück einzurichten. Wie ihr Vater ist sie Requisiteur, besser Requisiteurin, geworden. Doch die kleine Endung „in“ ist ihr nur zu Beginn wichtig.

Bevor sie anfängt, aus ihrem Leben zu erzählen und aus dem Nähkästchen über das Theater im Allgemeinen und im Speziellen zu plaudern, wird hinter dem roten Vorhang erst einmal kräftig geräumt, nach Werner und Karl gerufen, die aber den ganzen Abend nicht auftauchen werden. Und dann steht Josefine Bieder unvermittelt vor dem Publikum. Mit zwei Revolvern in den Händen fuchtelt sie herum, setzt sie bei der Premiere am Freitagabend per Zufall sogar dem Buckower Bürgermeister Peter Alexander Block auf die Brust.

In den Reihen verstummt das Lachen. Doch nur kurz. Zu komisch ist, wie sich die Schöppe, wie sie von Josefine Bieder nur genannt wird, selbst auf die Schippe nimmt.

Viel Tempo und Schwung hat dieser Abend. Nicht zuletzt, weil Ila Schöppe in dem Stück singen muss und es auch kann. So zieht sie mit ihrem Mezzo- bis hohen Sopran das Publikum in ihren Bann. Kurz vor Schluss erklärt sie als Josefine: „Ohne Gefühl gebe es kein Theater, keine Musik und keine Lieder.“ Für Ila Schöppe, die immer voller Ideen für neue Projekte steckt, hat sich da wohl ein Kreis geschlossen.