"Nestbau" besonderer Art

MOZ Donnerstag, 13. Juli 2006

Von Anett Zimmermann

Buckow (MOZ) Die Baugerüste in der Wriezener Straße 56 sind bereits gefallen. Demnächst soll dort im Garten der "Kleine Prinz" nach Antoine de Saint-Exupéry landen. Gespielt werden kann aber auch im Keller. Dort richtet Ila Schöppe ihr "THEATERuntendrunter" ein.

Für die Schauspielerin, Sängerin und Regisseurin Ila Schöppe ist Buckow "ein Städtchen am Rande und doch mitten im Zent-rum". Und dort hat sie seit Mitte der 90er Jahre ihren Lebensmittelpunkt. Auch wenn sie sich nach mehreren erfolgreichen Sommertheaterprojekten im Bu­ckower Schloss­park in der Stadt künstlerisch etwas rar gemacht hatte. Einer der Hauptgründe war die zunehmend schwierige Finanzierung dieser Vorhaben, zumal die öffentliche Hand bei der Kulturförderung kräftig gestrichen hat.

Doch Ila Schöppe blieb in der Region präsent, spielte mit Kollegen fünf Sommer lang im nahe gelegenen Amphitheater des Strausberger Hotels "Lakeside", darunter auch den "Kleinen Prinzen". Und dann war da noch das Haus in der Wriezener Straße von Buckow, in dem sie erst zur Miete wohnte. Um den "Nestbau" der Familie voranzubringen - sie ist Muter zweier Kinder -, habe sie es 1997 dann gekauft.

"Es eignet sich hervorragend für neue Formen des Theaters", sagt Ila Schöppe und verweist darauf, dass es einst eine Stätte der Begegnung gewesen sei: als Schul- und Internatsgebäude. Obwohl es in den vergangenen Jahrzehnten nur noch als Wohnhaus genutzt wurde, habe es bei den Bauarbeiten so manchen interessanten Fund gegeben. "Ein Lineal mit Namen und auch ein verziertes Tintenfass", zählt Ila Schöppe auf.

Dennoch weiß sie über das Haus viel zu wenig und würde sich insbesondere über Fotografien aus alter Zeit freuen. In einer alten Chronik habe sie lediglich eine Jahreszahl gefunden, die nun auch am Giebel zu lesen ist: anno 1737. Doch damals muss es schon gestanden haben, wann es genau gebaut worden ist, habe sie bisher noch nicht herausgefunden.

Im doch sehr vermauerten Keller tatsächlich ein Theater einzurichten, dafür habe ihr anfangs allerdings "die Traute gefehlt", gibt sie offen zu. Mut geholt habe sie sich dann bei Tobias Morgenstern im "Theater am Rand" in Zollbrücke. "Es war damals noch nicht fertig und Putz bröckelte von der Decke", erinnert sich Ila Schöppe.

Als in den vergangenen Monaten im Keller dann die Rundbögen freigelegt wurden, habe sie sofort Bilder im Kopf gehabt für Stücke, die in ihrem "THEATERuntendrunter" gespielt werden könnten. Noch sei es im Bau, aber bereits Licht am Ende des Tunnels zu sehen. "Wir wollten eigentlich schon mit Sommerbeginn im Garten spielen, aber der lange kalte Winter hat uns tüchtig in Verzug gebracht. Auf einer Baustelle wollte ich aber nicht starten."

Deshalb gibt es auch noch keinen genauen Termin für die Aufnahme des Spielbetriebs. Gedacht sei jedoch an Ende August. Mit Hilfe der Fördermittel aus der EU-Gemeinschaftsinitiative "Leader+" entstehe im Haus zudem eine kleine Künstlersta­tion, das heißt zwei Ateliers, für die noch Mieter, ob vorübergehend oder dauerhaft, gesucht seien.

Nutzen will auch der Verein Theaterprojekt Helene, 1996 als SchlossparkSommerTheater gegründet, die neue Spielstätte mit ihren ca. 50 bis 60 Plätzen. Geschäftsführer Ulrich Schröder nennt die Wiederaufnahme vom "Kleinen Prinzen" als Beispiel. Auch andere Stücke aus dem bisherigen Repertoire seien denkbar. Für Neue müsse natürlich erst die Finanzierung geklärt sein. Gedanken für Kooperationen etwa mit Hotels und Gastronomen gebe es ebenfalls, ergänzt Ila Schöppe, will das Haus jetzt aber erst einmal eröffnen. Vereinbart sei allerdings schon die Zusammenarbeit mit dem Umweltbildungszentrum "Drei Eichen": "Wir wollen hier auch mit Kindern und Jugendlichen arbeiten." Kontakte zum Brecht-Weigel-Haus seien natürlich auch ein Muss. Dankbar sei sie zudem der Stadt Buckow, die ihr den Rücken stärke und der Öffnung des Eingangsbereiches zur Straße hin zugestimmt habe. Dort stören jetzt allerdings noch Verteiler- und Kontrollkästen und so hofft sie auf das Entgegenkommen der Versorgungsunternehmen.

Unterdessen findet der Helene-Vorsitzende Dr. Volker Melchert die Theateridee wunderbar: "Ich freue mich unbändig, dass in Buckow weiter Theater gemacht wird. Das ist gut für die Stadt auch als Kurort und die ganze Region." Damit werde das Angebot für Gäste um ein weiteres ergänzt, das unabhängig vom Wetter und von hohem Niveau sei.