Die heile Stallwelt aus den Angeln gehoben

MOZ 19. November 2012

Buckow (MOZ) "Wohin? Das ist mir egal - nur schaff es weg!" Frustriert, wütend und ein wenig ratlos starrt der Ochse, die überdimensionale Forke in der Hand, auf die Krippe, aus der er eigentlich das Heu in sein Maul schaufeln wollte. Doch das nach einem anstrengenden Tag auf dem Feld zur Stärkung wohlverdiente Abendessen ist erst einmal verhindert: Durch ein menschliches Baby, das da plötzlich in der Futterkrippe liegt. Ein menschliches Findelkind, unverhofft aufgetaucht und die heile, sorgsam eingerichtete Welt von "Ox und Esel", so auch der Titel dieses Bühnenstücks, gehörig durcheinander bringend.

"Schaff es weg!" Die Forderung seines genervten Stallgenossen vernimmt der Esel wohl. Doch so einfach lässt sich dem nicht nachkommen, zumal etwas später auch noch die Soldaten von König Herodes aufgebracht an die Türe klopfen.

Zumeist an Erwachsene wenden sich sonst die Stücke, die im kleinen, beschaulichen Theater untendrunter auf die Bühne kommen. Doch diesmal ist nicht nur die Stimmung familiär, auch die Inszenierung ist für die ganze Familie gedacht. Die tiefere Botschaft, zeigte bereits die Premiere mit zwei Kindern unter den Gästen, wird auch vom jüngeren Publikum bereits verstanden. Dabei kommt die rund einstündige Geschichte keineswegs mit vordergründiger Moral daher, sondern hat die nachdenklichen, tiefsinnigen Untertöne direkt zwischen ganz viel Wortwitz, ironiegespickten Dialogen und sichtlichem Spielspaß auch der beiden Darsteller.
Der junge Berliner Schauspieler Henrik Hänel an der Seite von Intendantin Ila Schöppe bietet mit dieser ein perfektes Paar, das sich ob des unverhofften Problems verbal in den Haaren liegt. Doch nicht nur beim Ochsen setzt irgendwann ein Umdenken ein, und der Zuschauer darf auf den Ausgang gespannt sein.

Karten unter Tel. 033433 56297, alle Termine im Internet unter www.theateruntendrunter.de, zudem ist eine Aufführung für Betriebsfeiern etc. buchba

r
Auf Lösungssuche: Ratlos stehen Ox und Esel (Henrik Hänel und Ila Schöppe) in ihrem Stall und überlegen, was mit dem unverhofften Fundstück werden soll. © Thomas Berger